23.08.2017

Besuch der Weltausstellung in Wittenberg

Vom 18.07. bis zu 22.07.2017 verbrachten die Stipendiaten und die Studienleitung der Missionsakademie in Hamburg vier wundervolle Tage bei bestem Wetter im protestantischen Jerusalem. Besonders in diesem Jahr, dem Jahr des Reformationsjubiläums, ist das kleine, schön sanierte Städtchen Wittenberg eine Reise wert!

Brauchen wir eine Befreiung von der Theologie? Eine Befreiung vom exklusiven Blick auf die Bibel? Brauchen wir heute eine Befreiung von der Befreiungstheologie? Diese provokanten Fragen stellte der kolumbianische Theologe Juan Esteban Londoño. Mónica Zúñiga, Literaturwissenschaftlerin und Theologin aus Costa Rica, fragte nach der Befreiung der Frau und zeigte befreiende Beiträge und Gedanken von Vertreterinnen der Literatur des 20. Jahrhunderts und wagte sich dabei an die Frage: Wie kann unsere Sexualität befreit werden? Johannes Krug aus Marburg illustrierte sein Verständnis von Befreiung anhand der Frage nach Masculinity und in Bezug auf den 2017 in Hamburg stattfindenden G20 Gipfel. Die folgende Diskussion berührte unter anderem die alte Frage nach Gewalt wieder neu: Kann Gewalt im Kampf um Befreiung legitim sein und wenn ja welche?

Wer ist das Subjekt der Befreiung? Was passiert, wenn die Theologie Menschen als die Vergessenen, die Überflüssigen oder Unwichtigen identifiziert? Wer sind die Armen und wer kann für sie sprechen als sie allein? An dieses heikle Thema wagte sich der nicaraguanische Theologe Moises Medrano. Aus Brasilien kam Levy Bastos und zeichnete anschaulich die Geschichte der Befreiungstheologie nach, um dann die besondere Bedeutung ihrer Soteriologie zu diskutieren. Schließlich sind es nicht die Befreiungstheologen, die letztlich den Weg weisen, sondern Christus selber. Verena Grüter formulierte eine facettenreiche Response auf diesen Vortrag und erinnerte u.a. an die hilfreiche Unterscheidung von Theo Sundermeier zwischen Religionstypen, die sich an Erlösung orientieren, und denen, die Versöhnung ins Zentrum stellen. Schließlich stellte Raphael Sartorius aus Berlin die Debatte in den Horizont von Entwicklung. Was ist das Befreiende an Entwicklungszusammenarbeit?

Die Gruppe besuchte am Sonntag den Gottesdienst einer charismatischen Latino Gemeinde in Hamburg Iglesia Christiana Camino de la Santidad, bei dem die Frage nach Befreiung in ein völlig anders Licht rückt. Um eine Brücke zu diesem Verständnis von christlicher Befreiung zu schlagen, wie sie in solch einem Gottesdienst gefeiert wird, liegt noch ein Stück des ökumenischen Weges vor uns. Auch der Besuch des Luther Poporatoriums in der Barclay-Arena in Hamburg war ein Gedankenanstoß und fügte die Botschaft Luthers in das Thema des Seminars ein. Ein großer Dank geht an Brot für die Welt, ohne deren Unterstützung dieses Seminar nicht realisierbar gewesen wäre.
Das nächste Forum Lateinamerika an der Missionsakademie findet vom 26.-29.7.2017 zum Thema „Ökumenisches Gespräch mit Pfingsttheologen und –theologinnen aus Brasilien“ statt. Detaillierte Einladung folgt.

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