26.11.2015

Partnerschaft mit der Faculdade Unida in Brasilien gewinnt Gestalt

Bei einem Besuch in der Partnerinstitution der Missionsakademie „Faculdade Unida“ in der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Espírito Santo konnten Uta Andrée und Biniel Mallyo sich in vielen Gesprächen und Begegnungen von der besonderen Qualität der Lehre und Forschung an dieser theologischen Hochschule überzeugen.

Claudete Beise Ulrich mit Studierenden
Espírito Santo ist der „evangelischste“ Bundesstaat Brasiliens. Die Faculdade Unida mit ihren 12 Professoren, über 200 Studierenden vor Ort  und über 500 Leuten, die über Fernstudien mit der Hochschule verbunden sind, ist ökumenisch ausgerichtet. Es entsteht hier ein Forum für theologische Reflexion über Konfessionsgrenzen hinweg. Eine große Anzahl an Studierenden kommt aus pfingstchristlichen Kirchen, die zum großen Teil die Ausbildung an der Faculdade Unida als Vorbereitung oder Verteifung für den pastoralen Dienst in den Gemeinden akzeptieren. Auch die Dozentenschaft ist bunt gemischt: Katholiken, Pfingstler, Baptisten, Presbyterianer, Lutheraner etc.

Die gesellschaftliche Lage in  Brasilien ist von Extremen bestimmt. Es werden heiße Debatten über religiöse Überzeugungen geführt. Diese spielen in allen gesellschaftlichen Zusammenhängen und auch in der Politik eine dominante Rolle. An vielen Stellen können rationale Diskurse nicht sachgemäß geführt werden, weil die Pressure Groups vor allem aus den neopentecostalen Kirchen, denen nach Schätzungen 30% der Brasilianer angehören oder zu mindestens Sympathie entgegen bringen, ihre Werte und ihre Weltsicht absolut setzen. Manche sprechen angesichts dessen inzwischen von einer gesellschaftlichen und politischen Krise.

Biniel Mallyo im Gespräch mit Professoren der FU
Die Faculdade Unida ist eine einmalige Bildungseinrichtung, die dazu beiträgt Gräben zu überwinden und das ökumenische Gespräch aufrecht zu erhalten. Die Studierendenschaft besteht nur zu einem Teil aus angehenden oder schon tätigen Pastoren, viele Graduierte anderer Disziplinen (Psychologie, Jura, Medizin, Geschichte, Pädagogik etc.) suchen in einem Studium an der Faculdade Unida nach einem Rüstzeug, um mit den religiösen Brüchen und Spannungen in der Gesellschaft und in ihrer praktischen Arbeit umzugehen. Die Faculdade Unida ist vom Staat als Hochschule anerkannt und kann 20 % der Studierenden über ein Stipendium die Einschreibung gewähren.

Die Missionsakademie sieht in der Beziehung zur Faculdade Unida eine interessante Verbindung zu einer Institution, die in einem Land zwischen Säkularisierung und religiöser Radikalisierung an Themen arbeitet, die im Gespräch zwischen Migrantengemeinden und Volkskirche in Deutschland zunehmend eine Rolle spielen. Die Art wie diese Diskurse geführt werden, wird das Gesicht des Christentums in der Zukunft prägen. Die Partnerschaft zwischen Faculdade Unida und Missionsakademie wird den Austausch von Studierenden fördern, in gemeinsamen Publikationen Ausdruck finden und die Teilnahme von Dozenten an Veranstaltungen der jeweils anderen Einrichtung ermöglichen.

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