18.06.2015

Besuch im Fluchtpunkt

Einer der Höhepunkte einer Studienwoche mit Vikarinnen und Vikaren aus Loccum war der Besuch in der kirchlichen Hilfsstelle für Flüchtlinge „FLUCHTPUNKT“ in Hamburg. Sachkundig und engagiert erläuterte Anne Harms die Arbeit der Hilfsstelle. Die Gruppe war von der Art der Hilfe, die hier geleistet wird begeistert – eine so dringende und konkrete Hilfe für so viele Menschen, angesichts von deren Schicksal oft nur viele Worte gemacht und wenig ausgerichtet wird.

Viele prägnante Sätze und Überzeugungen blieben in Erinnerung, so zum Beispiel, dass Verfolgung immer mit ökonomischer Ausgrenzung beginnt und es damit äußerst problematisch sei von Wirtschaftsflüchtlingen zu sprechen. Die Tatsache, dass jemand in seinem Land nicht überleben kann, liegt oft darin begründet, dass der Zugang zu Bildung, zum Arbeitsmarkt und zu medizinischer Versorgung – also jede Art der Teilhabe – verweigert wird. Diese Diagnose trifft zum Beispiel die Roma aus den Balkanstaaten, die keine Chance auf Asyl in Deutschland haben, in den Herkunftsländer aber systematisch diskriminiert werden. Auch klare Kritik an der Haltung des deutschen Innenministers und der Wunsch, dass die Evangelische Kirche sich deutlich abgrenzen und eine humane Flüchtlingspolitik fordern solle, beeindruckte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Vikarskurses. Enttäuscht ist Anne Harms, dass der Evangelische Kirchentag in Stuttgart, den innenpolitischen Überzeugungen der Bundesregierung so viel Raum und ein Forum geboten hat.

Der Besuch bei Fluchtpunkt stand auch im Lichte einer anderen Begegnung, die die Vikarinnen und Vikare nach St. Pauli geführt hatte. Pastor Sieghard Wilm hat nicht nur von den Monaten des Aufenthalts von 80 Flüchtlingen aus Lampedusa in seiner Kirche berichtet, sondern das grundsätzliche Konzept transparent gemacht, innerhalb dessen die Aufnahme der Flüchtlinge überhaupt nur möglich war: Kirche im Stadtteil sein, klar den Raum gestalten, den Kirche zur Verfügung stellen kann, dabei als Gastgeber präsent sein und die Menschen selber entwickeln und organisieren lassen, wie ihre Embassy of Hope aussieht.

Vielen Dank für die offenen Türen! Sie haben uns sehr inspiriert!

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